Anleitung und Infos zur Kallitypie

Anleitung und Infos zur Kallitypie 

Bei der Kallitypie handelt es sich um eine fotografische Drucktechnik, die vor allem im 19. Jahrhundert sehr gebräuchlich war. Je nach verwendeter Rezeptur wird die Kallitypie auch als Braundruck, als Sepiadruck, als Vandyke-Verfahren, als Van-Dyke-Braun oder als Argentotypie bezeichnet. 

Nicht verwechselt werden darf die Kallitypie allerdings mit der Kalotypie, die 1841 von William Henry Fox Talbot patentiert wurde.Die Kallitypie geht auf den Chemiedozenten W. W. J. Nichol zurück, der dieses Edeldruckverfahren 1889 erstmals patentieren ließ.

In der Folgezeit meldete Nichol einige weitere Edeldruckverfahren als Patente an, bei denen es sich letztlich um Abwandlungen der Kallitypie handelt. Die Grundlage der Kallitypie bildet der Argentotypieprozess. Hierbei wird Silbernitrat durch lichtempfindliche Eisensalze in metallisches Silber umgewandelt. 

Für die Kallitypie gibt es mehrere unterschiedliche Rezepturen und letztlich arbeitet jeder Kunstdrucker mit seinem eigenen Mischungsverhältnis. Allgemein wird mittels Kallitypie ein Lichtpauspapier beschrieben, das mit einer Mischung aus Eisen(III)-oxalat und Silbersalz präpariert ist. Im Zuge der Belichtung ergibt sich ein schwaches Bild, das anschließend mit beispielsweise Kaliumoxalat oder Natirumcitrat übergossen und auf diese Weise verstärkt wird.

Die matten, neutral schwarzen Kopien, die auch mit Gold- oder Platinsalzen getont sein können, werden mit unterschiedlichen chemischen Lösungen behandelt, die für die jeweilige Färbung des Bildes sorgen. Dabei führt die Kallitypie zu ähnlich guten Ergebnissen wie der deutlich teurere Platin-Palladium-Druck. Dies hatte zur Folge, dass zahlreiche Abzüge zwar als Platin-Palladium-Drucke ausgegeben wurden, in Wirklichkeit aber Kallitypien waren. 

Die frappierende Ähnlichkeit ergibt sich insbesondere, wenn für die Kallitypien Eisen(III)-oxalat als lichtempfindliche Substanz verwendet und diese nach dem Entwickeln auskopiert wird. Dieses Vorgehen entspricht im Wesentlichen den Arbeitsschritten, die auch beim Platin-Palladium-Druck angewandt werden. Die Tonung erfolgt dann mit Platin oder mit Palladiumtonern. 

Im Unterschied zum Platin-Palladium-Druck erfolgt bei der Kallitypie aber ein zusätzlicher Zwischenschritt in Form des Silberbildes, wodurch die Edelmetalle Platin oder Palladium nur in deutlich reduziertem Umfang eingesetzt werden müssen. Bei Van-Dyke-Kopien, bei denen Ammoniumeisenzitrat als lichtempfindliche Substanz verwendet wird, ist die Verwechslungsgefahr hingegen deutlich geringer, insbesondere dann, wenn die Kallitypie als reines Silberbild angefertigt wird.     

Anleitung für die Kallitypie

Für die Kallitypie werden mehrere chemische Lösungen benötigt:

·         Für die Sensibilisierungslösung werden 50g Eisen(III)-oxalat mit 3g Oxalsäure und 25g Silbernitrat vermischt. Diese Mischung wird anschließend bis auf 300ml mit destilliertem Wasser aufgefüllt.

·         Die chemische Lösung für den Entwickler hängt davon ab, welche Bildfarben gewünscht sind. Für Sepia-Töne werden 45g Kalium-Natrium-Tartat (KNa (C4H4O6)·4H2O) mit 1,5g Kaliumdichromat vermischt. Für eine blau-schwarze Bildfarbe besteht die Mischung aus 24g Borax, 90g Kalium-Natrium-Tartrat sowie 1,5g Kaliumdichromat. Soll die Bildfarbe matt schwarz ausfallen, wird der Anteil von Borax auf 90g erhöht und mit 68g Kalium-Natirum-Tartrat sowie 1,2g Kaliumdichromat vermischt. Die jeweiligen Mischungen werden anschließend bis auf 950ml mit destilliertem Wasser aufgefüllt.

·         Für die Fixierungslösung werden zunächst 50g Natriumthiosulfat, 10g Natriumkarbonat und 2g Natriumsulfit in 750ml destilliertem Wasser aufgelöst. Anschließend wird die Lösung mit destilliertem Wasser auf einen Liter aufgefüllt. 

·         Als Wässerungshilfe werden 10g Natriumsulfit in einem Liter destilliertem Wasser aufgelöst. Die Lösung wird dabei unmittelbar vor dem Gebrauch angemischt und kann nur einmal verwendet werden. 

Im ersten Arbeitsschritt wird das Papier mit Haushaltsstärke eingesprüht und muss anschließend trocknen. Je nach verwendetem Papier kann auf diesen Schritt unter Umständen verzichtet werden, an dieser Stelle ist jedoch die Experimentierfreude des Druckers gefragt. Auf das trockene Papier wird anschließend die Sensibilisierungslösung aufgetragen.

Dazu wird die Lösung in sich überkreuzenden Schichten aufgebracht, bis das Papier vollständig abgedeckt ist. Danach wird das Papier im Dunkeln getrocknet. Nach dem Trocknen folgt die Belichtung des Papiers. Dabei erfolgt die Belichtung nach Sicht, was bedeutet, dass das Papier solange belichtet wird, bis die Tönung in dem gewünschten Maße zu sehen ist. 

Der nächste Arbeitsschritt ist die Entwicklung. 

Hierbei ist wichtig, auf die richtige Entwicklungsdauer zu achten, da das Bild ansonsten überentwickelt werden würde. Pauschale Zeitangaben sind hierbei jedoch nicht möglich, so dass der Drucker auch hier eigene Erfahrungswerte sammeln muss. 

Das entwickelte Bild wird anschließend gewaschen, wozu es zwei Minuten lang mit klarem Wasser gespült wird. Nach dem Waschen wird das Bild in der Fixierlösung fixiert. Während der Fixierung kann die Wässerungshilfe angesetzt werden, in der das Bild nach dem Fixieren gewässert wird. 

Das fertige Bild wird abschließend im Liegen getrocknet. Wie bei allen Arbeiten mit Chemikalien gilt auch hier, dass entsprechende Schutzvorkehrungen getroffen werden müssen. So sollten geeignete Gefäße und Hilfsmittel ebenso vorhanden sein wie beispielsweise Handschuhe.

Insbesondere bei Kaliumdichromat handelt es sich um eine giftige und krebserregende Substanz, mit der entsprechend vorsichtig und sorgsam umgegangen werden muss.

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