Diverse Besonderheiten bei Drucken

Diverse Besonderheiten bei Drucken 

Kunstdrucke an sich sind schon etwas Besonderes und kennzeichnen sich in aller Regel durch eine sehr hochwertige Qualität. Dennoch gibt es im Zusammenhang mit Kunstdrucken diverse Besonderheiten, so dass es für einen Sammler zunächst interessant ist, ob es sich bei seinem Druckexemplar um einen Eigen- oder einen Fremdruck handelt. 

Den höchsten Stellenwert haben neben dem Original die Drucke, die der Künstler selbst angefertigt hat. Handelt es sich um einen Fremddruck, ist für einen Sammler aber ebenso interessant in Erfahrung zu bringen, wer den Druck angefertigt hat, denn während einige Künstler mit meisterlichen Druckwerkstätten zusammenarbeiten, lassen andere Künstler ihre Drucke von technisch begabten Künstlerkollegen reproduzieren.

Zudem müssen Hand- und Maschinendrucke voneinander unterschieden werden. Von einem Handdruck wird gesprochen, wenn die Reproduktion manuell erfolgt, wobei strenggenommen nur beim Holzschnitt echte Handdrucke vorliegen und alle anderen Drucke als Handpressendrucke bezeichnet werden müssten. 

Das heißt aber nicht, dass Maschinendrucke eine schlechtere oder künstlerisch weniger wertvolle Qualität aufweisen, denn mithilfe der vielfältigen technischen Möglichkeiten sind auch hier brillante Ergebnisse möglich.  

Weitere Besonderheiten von Drucken ergeben sich, wenn der Druck vor oder außerhalb der eigentlichen Auflage erfolgt.

Hier eine Übersicht zu unterschiedlichen Drucktypen:

•        Zustandsdrucke, auch bezeichnet als epreuve d’etat, sind Abzüge, die während des Arbeitsprozesses hergestellt werden und den zwischenzeitlichen Zustand wiedergeben. 

In den meisten Fällen handelt es sich bei den begehrten Zustandsdrucken um Unikate, die viel Aufschluss und tiefe Einblicke in die Arbeitsweise eines Künstlers geben. 

Durch den Vergleich von Zustandsdrucken mit den späteren fertigen Druckerzeugnissen können die Entstehung und die einzelnen Arbeitsschritte verfolgt werden. 

•        Probedrucke sind erste Abzüge von dem fertigen Druckträger, der später dann für die gesamte Auflage verwendet wird und über deren Qualität entscheidet. Auch Probedrucke sind sehr begehrt, da ihre Anzahl gering ist. In aller Regel werden höchstens sechs eines solchen epreuve d’essai angefertigt.  

•        Zuschussabzüge sind die Abzüge, die zusätzlich gedruckt und als Ersatz für fehlerhafte Drucke verwendet werden.

•        Varianten treten in erster Linie bei farbigen Grafiken auf. Um eine Variante handelt es sich beispielsweise, wenn in einer Grafik mit ursprünglich drei Farben eine vierte Farbe eingearbeitet wird oder wenn die ursprünglichen Farben durch andere Zusammensetzungen verändert werden.

•        Remarque-Drucke sind Drucke, bei denen Remarques sichtbar bleiben. Remarques sind kleine Skizzen oder Zeichen beispielsweise am Rand einer Druckplatte, die der Künstler anfertigt, um eine Ätzprobe vornehmen und die Wirkung der Säure kontrollieren zu können. 

In aller Regel werden diese Skizzen entfernt, bevor die Auflage gedruckt wird. Bleiben die Skizzen jedoch nicht nur auf den Probeabzügen, sondern auf allen Drucken sichtbar, handelt es sich um Remarque-Drucke.

•        Vorzugsdrucke sind Drucke auf besonderem Papier, das nur für wenige Abzüge, aber nicht für die gesamte Auflage verwendet wird. In den meisten Fällen sind Vorzugsdrucke mit römischen Zahlen gekennzeichnet.

•        Künstlerdrucke sind letztlich Belegdrucke, die außerhalb der Auflage entstehen, nicht nummeriert sind und für den Künstler, den Drucker oder den Herausgeber, aber nicht für den Verkauf bestimmt sind. 

In vielen Fällen ist auf Künstlerdrucken der Hinweis E.A., e. a. oder epreuve d’artiste zu finden. In Frankreich sind auch die Bezeichnungen H.C. oder hors commerce, was übersetzt nicht für den Handel bedeutet, und in England artist’s proof üblich. 

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Thema: Besonderheiten bei Drucken und Drucktypen

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