Techniken und Materialien bei der Schuldruckerei

Übersicht zu den Techniken und Materialien bei der Schuldruckerei 

In der Grundschule ist die Schuldruckerei ein Arbeitsmittel, das der Freinet-Pädagogik entstammt und daher mitunter auch als Freinet-Druckerei bezeichnet wird. Meist ist die Schuldruckerei, die mehrere Schriftkästen mit verschieden großen und unterschiedlich geformten Buchstaben, Zahlen und Zeichen sowie eine kleine Presse umfasst, in einer Arbeitsecke untergebracht.

Die Lehrkräfte geben die Schuldruckerei üblicherweise in einem bestimmten Turnus untereinander weiter, so dass sie jeder Lehrer mit seiner Klasse im Rahmen der Freiarbeit nutzen kann. Zu den typischen Erzeugnissen, die mithilfe der Schuldruckerei hergestellt werden, gehören Textseiten und Bilder, die anschließend häufig zu Kalendern oder Büchern gebunden werden.

Neben der Grundschule kam die Schuldruckerei übrigens gerne auch in Rahmen von Druck-AGs an weiterführenden Schulen zum Einsatz. Zwischenzeitlich ist die Schuldruckerei zwar vielfach Computern gewichen, im Kunstunterricht spielen die Bilddrucktechniken aber nach wie vor eine Rolle. 

Welche Idee hinter der Schuldruckerei steckt und welche Techniken und Materialien bei der Schuldruckerei zum Einsatz kommen, erklärt die folgende Übersicht:  

Die Idee hinter der Schuldruckerei

Célestin Freinet, ein französischer Reformpädagoge und Begründer der Freinet-Pädagogik, entwickelte die Schuldruckerei als ein Arbeitsmittel für die Freiarbeit. Sein Hauptanliegen war, den Schülern unabhängig von den Lehrbüchern eine Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Texte zu verfassen, zu präsentieren und zu vervielfältigen. Dazu entwickelte er zusammen mit anderen Lehrern Druckmaterialien, die speziell auf Kinderhände abgestimmt waren.

Die Schuldruckerei sollte die Kinder dazu anregen, spontan und kreativ zu schreiben. Gleichzeitig sollte die Rechtschreibung auf interessante Art geübt werden. Außerdem sollte die Schuldruckerei zu selbstständigem Arbeiten motivieren, durch die Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe aber auch das Lernen in der Gruppe unterstützen. 

Die Texte, die die Kinder verfassten und die aus ihrem eigenen Leben erzählen, wurden häufig illustriert, was den Lerneffekt zusätzlich vertiefen sollte. Die gedruckten Textseiten wurden oft zu Büchern weiterverarbeitet und statt aus der Fibel wurde teilweise aus diesen Büchern vorgelesen und anhand der Texte unterrichtet. 

Die Materialien bei der Schuldruckerei

Um die Schuldruckerei kindgerecht zu gestalten, gründete Freinet mit anderen Lehrern eine Kooperative. Diese entwickelte die Materialien weiter und verkaufte sie zu günstigen Preisen. 

Dabei umfasst die Schuldruckerei folgende Materialien:

·         Buchstaben

Für die Grundschule werden üblicherweise Buchstaben und Zahlen in der Größe 24 Punkt für Texte und in der Größe 36 Punkt für Überschriften verwendet. Als Schriften mit Serifen kommen meist Garamond oder Times und als serifenlose Schriften Arial oder Univers zum Einsatz. 

·         Setzkasten

Aufbewahrt werden die Buchstaben, Zahlen und Zeichen in einem Steckschriftkasten. Die Buchstaben sind hier in alphabetischer Reihenfolge angeordnet, der eigens entwickelte Freinet-Setzkasten hat Querformat.

·         Setzrahmen

Während der Schriftsetzer mit dem Winkelhaken eine verstellbare Lehre verwendet, um eine Zeile zusammenzusetzen, arbeitet die Schuldruckerei mit einem kleinen Setzrahmen. Dieser besteht aus dünnen Metallschienen, in die die Buchstaben eingelegt und mit einer Feststellschraube fixiert werden. 

·         Farbwalze und Färbebrett

Um die Druckfarbe gleichmäßig auf die Druckform aufzutragen, kommt eine Linolwalze zum Einsatz. Zuvor wird die Farbe aber gleichmäßig verrieben. Dabei dient eine Fliese oder eine Glas- oder Holzplatte als Färbebrett. 

·         Presse

Gedruckt werden die Texte und Bilder entweder auf einer Klappflügelpresse oder auf einer Rollenpresse.  

·         Weitere Materialien

Insbesondere bei den Bilddrucktechniken kommen weitere Hilfsmittel wie beispielsweise Messer und verschiedene Materialien für die Druckplatten zur Anwendung.  

Die Techniken bei der Schuldruckerei

Werden Textseiten erstellt, wird der jeweilige Text Zeile für Zeile gesetzt, mit Druckfarbe eingewalzt und anschließend auf einer Klappflügel- oder Rollenpresse gedruckt. 

Daneben kennt die Schuldruckerei aber auch eine Reihe von Bilddrucktechniken, bei denen es sich meist um Hochdruckverfahren handelt und die bereits mit Grundschulkindern umgesetzt werden können:

·         Linoldruck

Der Linolschnitt gehört zu den bekanntesten Bilddrucktechniken überhaupt. Linoleum lässt sich am einfachsten schneiden, wenn es etwas erwärmt ist, für Kinder sind Reste von PVC-Bodenbelägen aber noch besser geeignet, denn diese lassen sich noch einfacher bearbeiten.

Mit einem Schneidmesser-Set, das aus einem Schnitzmesser, einem Hohleisen mit Klinge und einer V-förmigen Klinge besteht, wird das Motiv in die Linol- oder PVC-Platte geschnitten. Alle Bildteile, die dabei aus der Druckplatte ausgeschnitten werden, sind später auf dem Bild nicht zu sehen, nur die erhabenen Teile werden gedruckt. 

·         Kartondruck

Der Kartondruck kann in zwei Varianten umgesetzt werden. Die einfachere Methode ist, verschiedene Formen und Motive aus Karton auszuschneiden und auf einen zweiten Karton, der die Druckplatte bildet, aufzukleben. Etwas anspruchsvoller ist der Kartonritz- und -schäldruck. Hierfür wird das Motiv auf eine Platte aus Graupappe aufgezeichnet. 

Anschließend werden, ähnlich wie beim Linoldruck, die Bildstellen, die nicht gedruckt werden sollen, vollständig ausgeschnitten, andere Flächen wiederum werden unterschiedlich tief eingeritzt oder abgeschält.

·         Furnierdruck

Für den Furnierdruck wird das Holzfurnier zuerst auf der Rückseite mit doppelseitigem Klebeband beklebt. Anschließend schneiden die Kinder verschiedene Formen und Motive mit einer herkömmlichen Schere oder einer Nagelschere aus. Die Formen werden dann auf einen Karton als Druckplatte geklebt. Als Druckfarbe wird eine lösemittelhaltige Farbe verwendet, denn durch sie bleibt die feine Holzmaserung sichtbar.

·         Polystyroldruck

Bei dieser Bilddrucktechnik wird die Zeichnung in Polystyrol, einen weichen, feinporigen Styropor, geritzt.  

·         Materialdruck

Der Materialdruck kann mit allen Materialien umgesetzt werden, die vergleichsweise flach sind und eine deutliche Struktur haben, angefangen bei Stoffen, Federn und Fellen über Tapeten, Schnüre und Kordeln bis hin zu Blättern und Gräsern. Die Materialien werden auf einer Druckplatte auf festem Karton angeordnet und ähnlich wie bei einer Collage festgeklebt.

Zwei weitere Bilddrucktechniken sind der Limograf und die Kaltnadel-Radierung

Beide Druckverfahren sind jedoch etwas anspruchsvoller und daher eher für den Kunstunterricht an weiterführenden Schulen geeignet. Der Limograf ist eine Art Siebdruck, bei der das Motiv auf eine Wachsmatrize gezeichnet wird. 

Die fertig gestaltete Matrize wird dann unter einen Siebrahmen geklebt und die Limografen-Farbe anschließend mit einem breiten Gummirakel durchgedrückt. Bei der Kaltnadel-Radierung, einem Tiefdruck-Verfahren, wird zuerst eine Zeichnung angefertigt und unter eine durchsichtige Platte aus Rhenalon gelegt. 

Mit einer Stahlnadel wird die Zeichnung dann nachgefahren und so in die Platte gedrückt. Die Druckfarbe wird anschließend in die Rillen eingerieben, überschüssige Farbe wird von der glatten Oberfläche entfernt. Um das Bild zu drucken, wird die Druckplatte zusammen mit feuchtem Büttenpapier durch eine Linolpresse gedreht.

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