Warum Textilien erst nach dem Nähen färben?

Warum es durchaus sinnvoll sein kann, Textilien erst nach dem Nähen zu färben 

Viele Hobbyschneider arbeiten mit weißen oder hellen Stoffen, die sie zunächst färben oder mit dekorativen Muster bedrucken.

Anschließend werden diese selbst gestalteten Stoffe in den unterschiedlichsten Varianten weiterverarbeitet, beispielsweise zu Kleidungsstücken, Taschen, Accessoires, Tischdecken, Kissenhüllen, Vorhängen oder anderen Wohntextilien.

Warum es durchaus sinnvoll sein kann, Textilien erst nach dem Nähen zu färben.

Bevor Stoffe gefärbt, bedruckt oder anderweitig gestaltet werden, besteht der erste Arbeitsschritt aber darin, die Textilien bei einer möglichst hohen Temperatur zu waschen. Durch das Waschen werden nämlich zum einen mögliche Appreturen oder Schmutz-, Staub- und Fettrückstände aus dem Stoff entfernt, was deshalb wichtig ist, weil die Farben ansonsten nicht richtig haften würden. 

Zum anderen kann es passieren, dass ein Stoff beim ersten Waschen einläuft und es wäre doch sehr ärgerlich, wenn die mühsam erstellte Arbeit nach dem ersten Waschgang plötzlich nicht mehr passt. Nun können die vorgewaschenen Stoffe natürlich erst gestaltet und anschließend weiterverarbeitet werden. 

Es gibt allerdings auch einige gute Gründe, die dafür sprechen, die umgekehrte Reihenfolge zu wählen, also erst zu nähen und dann zu färben oder zu bedrucken: 

1. Die erforderliche Stoffmenge kann richtig kalkuliert werden.

Wird der Stoff vor dem Nähen gefärbt, wird üblicherweise mit einem eher großzügig bemessenen Stoffstück gearbeitet. Dadurch bleiben dann zwar Stoffreste übrig, aber vermutlich gibt es kaum etwas ärgerlicheres, als wenn sich herausstellt, dass die eingefärbte oder bedruckte Stoffmenge für das jeweilige Projekt nicht ausreicht. 

Wird der Stoff erst genäht und danach gefärbt, ist dieses Risiko auf jeden Fall ausgeschlossen. Gleichzeitig entstehen so aber auch nicht unnötig große Mengen an Stoffresten, die aufgrund von Farbe oder Muster bestenfalls noch für Bastelarbeiten wie beispielsweise Grußkarten verwendet werden können. 

2. Die benötigte Menge an Farbe fällt geringer aus.

Da bei einem bereits genähten Arbeitsstück nur die tatsächlich benötigte Stoffmenge eingefärbt oder mit Farben gestaltet wird, fällt der Materialaufwand etwas geringer aus, denn die Farbe für die ohnehin nicht benötigten Stoffreste wird eingespart. 

Gleichzeitig können die Stoffstücke, die nach dem Zuschnitt übrig geblieben sind, anderweitig verwendet werden. Größere Stoffmengen reichen möglicherweise für andere Arbeiten aus, kleinere Stoffstücke eignen sich hervorragend als Futter für Jacken, Röcke oder Taschen.  

3. Der Zuschnitt der Stoffstücke ist leichter.

Vor allem bei dunklen oder gemusterten Stoffen ist der richtige Zuschnitt gar nicht so einfach. So muss das Schnittmuster auf dunkel eingefärbten Stoffen üblicherweise recht umständlich mit Schneiderkreide aufgemalt werden, während bei Stoffen mit aufgemaltem oder aufgedrucktem Muster darauf geachtet werden muss, dass die Musterabfolge auch nach dem Zusammennähen noch stimmt. 

Auf dem vorgewaschenen Stoff hingegen kann das Schnittmuster recht einfach mit einem wasserlöslichen Stift aufgemalt werden. Nach dem Nähen verschwindet der wasserlösliche Stift von alleine wieder und das Muster kann wie gewünscht gestaltet werden. 

4. Fehlerhafte Nähte können besser korrigiert werden.

Normalerweise werden Futterstoffe nicht gefärbt, sondern bleiben möglichst unbehandelt. Insbesondere bei Kleidungsstücken wird so verhindert, dass die Haut mit unnötig viel Chemie in Berührung kommt. Wird der genähte Stoff gefärbt, kann nach dem Färben kontrolliert werden, ob es Nähte gibt, die noch einmal nachgearbeitet werden müssen. 

Solange nur der genähte Stoff gefärbt und das Futter noch nicht eingenäht wurde, sind Korrekturen wesentlich einfacher, weil jetzt noch alle Nähte gut zu erreichen sind. Wird hingegen gefärbter Stoff verarbeitet, wird die Arbeit im Normalfall erst dann gewaschen, wenn sie vollständig fertig gestellt ist. Dadurch sind innen liegende Nähte aber verdeckt, was erforderliche Korrekturen deutlich aufwändiger und schwieriger macht.   

Was bei Stoffen möglich ist, die weder gewaschen noch gefärbt werden können

Es gibt einige Stoffe, die eigentlich weder für Farbbäder noch für das Waschen in der Waschmaschine geeignet sind. Grund hierfür ist vielfach eine hohe Fadenspannung, die einerseits eine gleichmäßige Farbaufnahme verhindert und andererseits dazu führt, dass die Fäden beim Waschen mehr oder weniger brechen. 

Mitunter empfehlen die Hersteller aber lediglich die chemische Reinigung und raten von Färbeversuchen ab, um auf der sicheren Seite zu sein. Daher kann es sich durchaus lohnen, auch mit solchen als unwaschbar geltenden Stoffen ein wenig zu experimentieren. Eine Möglichkeit hierfür ist, ein kleines Stoffstück zuzuschneiden, die genauen Maße zu notieren und das Stoffstück mit der nächsten Wäsche schlichtweg mitzuwaschen. 

Überlebt das Stoffstück den Waschgang nicht, hat es seine Form deutlich verändert oder sieht es anders aus, kann ein neuer Versuch in einem sanfteren Waschgang gestartet werden. Eine andere Möglichkeit, die bei vielen empfindlichen Stoffen funktioniert, besteht darin, den Stoff zu wässern. Dazu wird der Stoff flach und möglichst faltenfrei in einem großen Gefäß oder in der Badewanne ausgebreitet.

Anschließend wird der Stoff vorsichtig und gleichmäßig erst mit kaltem, dann mit lauwarmem und danach mit warmem Wasser übergossen. Wenn das warme Wasser kalt geworden ist, wird das Wasser abgelassen und die Prozedur wiederholt. Nach mehreren Durchgängen wird der Stoff schließlich zum Trocknen aufgehängt.

Hat der Stoff das Wässern unbeschadet überstanden, kann er zugeschnitten, genäht und nach einer Probe mit einem kleinen Stoffstück eventuell nach dem gleichen Schema auch gefärbt werden.

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