12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil III

12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil III

Ob Aquatinta, Holzschnitt, Lithografie, Gliclée oder C-Typ: Es gibt eine Vielzahl von druckgrafischen Techniken, die bei Kunstdrucken angewendet werden können. Im Laufe der Geschichte ist die Palette stetig gewachsen. Waren die traditionellen Druckverfahren stark von Handarbeit geprägt, haben moderne, digitale Methoden noch einmal ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Dabei hat jedes Verfahren seine Besonderheiten, die sich in den Farben, den Texturen und den Stilen widerspiegeln.

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12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil III

In einer Beitragsreihe stellen wir zwölf druckgrafische Techniken für Kunstdrucke vor. Hier ist der letzte Teil III!:

  1. Radierung

Die Erfindung der Radierung wird Daniel Hopfer zugeschrieben. Irgendwann in den späten 1400er- oder den frühen 1500er-Jahren entwickelte er die Methode, um Rüstungen zu verzieren.

Anders als bei den bis dahin üblichen Metallarbeiten konnten die Verzierungen durch die Radierung einfacher und damit auch kostengünstiger umgesetzt werden.

Künstler konnten sich das Verfahren ebenfalls vergleichsweise leicht aneignen und für ihre Arbeiten verwenden.

Für eine Radierung ritzt der Künstler sein Motiv in eine Metallplatte, die mit einer säurefesten Farbe beschichtet ist. Anschließend taucht er die Platte in Säure. Die ausgeschnittenen Bereiche, bei denen es sich meist um das Hintergrundmotiv handelt, werden im Säurebad dauerhaft übertragen, ohne dabei die Farbschicht zu beschädigen.

Weil das Motiv mittels Säure auf der Metallplatte geprägt wird, wird bei der Radierung auch vom Ätzen gesprochen.

Insgesamt hat die Radierung einen eher linearen Charakter. Trotzdem ermöglicht sie, Konturen und feine Details auszuarbeiten. Nachdem die geätzte Metallplatte gereinigt ist, kann der Künstler Farbe auftragen und die Drucke herstellen.

Die Radierung haben verschiedenste Künstler von Albrecht Dürer über Francisco Goya bis hin zu Rembrandt und Pablo Picasso angewendet.

Zu den berühmtesten Radierungen zählt Rembrandts „Die Drei Kreuze“ aus dem Jahr 1653. Sie zeigt Jesus Christus am Kreuz zwischen zwei Dieben, die ebenfalls gekreuzigt wurden.

  1. Plakat

Bei Plakaten handelt es sich um Kunstdrucke auf großen Papierbögen. Oft dienen Plakate zunächst Werbezwecken und entwickeln erst im Laufe der Zeit einen Status als Kultobjekt oder Kunstwerk.

Bunte Plakate wurden ungefähr Mitte des 20. Jahrhunderts zum Standard. Ihre Geschichte reicht aber weit länger zurück. Eines der ersten bekannten Plakate entstand im Jahr 1477.

Damals druckte William Caxton, ein Grafiker und Drucker aus England, ein farbiges Plakat, das für ein Handbuch der Priester von Salisbury werben sollte.

Für Plakate kommen verschiedenste Drucktechniken infrage. So können sie zum Beispiel mittels Steindruckpresse, im Siebdruck, als Lithografie oder als Monotypie gefertigt werden.

Heutzutage entstehen die meisten Plakate aber im Digitaldruck. Denn auf diese Weise ist es möglich, hochwertige Drucke in großen Stückzahlen, bei gleichbleibender Qualität und zu vergleichsweise geringen Kosten zu produzieren.

  1. Siebdruck

In Abgrenzung zum Hochdruck, Tiefdruck und Flachdruck wird beim Siebdruck auch vom Durchdruck gesprochen. Denn die Stellen der Druckform, die das Motiv entstehen lassen, sind farbundurchlässig.

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Die Druckform für den Siebdruck bildet ein Rahmen, der mit einem feinmaschigen Gewebe bespannt ist.

Auf das Gewebe wird eine Schablone gesetzt. Sie verschließt die Maschen des Gewebes an den Stellen, an denen dem Motiv entsprechend keine Farbe gedruckt werden soll. Der Künstler positioniert die Siebdruckform auf dem Bildträger, trägt Farbe auf und drückt sie mit einem Gummirakel durch das Gewebe.

Der Siebdruck ist vor allem im Bereich der Werbung und Beschriftung, im Textildruck und bei industriellen Anwendungen verbreitet. Als Kunstform wurde das Druckverfahren in den 1960er- und 1970er-Jahren als Stilmittel der Pop-Art-Bewegung populär.

Andy Warhol gestaltete zum Beispiel sein berühmtes Bild mit dem Gesicht von Marilyn Monroe im Siebdruck.

12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil III (1)

3 Fragen zum Schluss

Es gibt verschiedene Arten von Drucktechniken, die für Kunstdrucke verwendet werden können. Jedes Druckverfahren hat seinen charakteristischen Stil und ermöglicht dem Künstler dadurch, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen.

Möchte der Künstler zum Beispiel mit Farben, Strukturen und Texturen spielen, kann er auf die Collagrafie zurückgreifen. Bevorzugt er hingegen klare Linien, bietet sich der Linolschnitt an.

  1. Warum werden überhaupt Drucke erstellt?

Es kann verschiedene Gründe geben, warum sich ein Künstler für Kunstdrucke entscheidet. Ein Aspekt ist, dass die Druckverfahren ein weiteres Medium sind, das der Künstler nutzen kann, um seine Ideen umzusetzen.

Er kann mit den verschiedenen Techniken experimentieren und diese auch miteinander verbinden. Auf diese Weise entstehen Arbeiten, die allein mit Farbe und Pinsel auf der Leinwand nicht möglich wären.

Daneben kann ein Künstler seinen kreativen Prozess mit Drucken dokumentieren. Eine andere Überlegung kann sein, die Kunst auf diese Weise einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Ein Gemälde ist immer ein Einzelstück. Fertigt der Künstler hingegen Kunstdrucke an, kann er ein Motiv mehrfach reproduzieren.

  1. Ist ein Kunstdruck lediglich eine Kopie?

Bei einem Kunstdruck handelt es sich nicht nur um eine einfache Kopie. Zum einen werden die Drucke in einer sehr hochwertigen Qualität hergestellt.

Einige Künstler fertigen die Drucke selbst an, andere Künstler arbeiten mit Druckereien zusammen, die sich auf Kunstdrucke spezialisiert haben.

Zum anderen ist die Anzahl der Kunstdrucke in aller Regel begrenzt. Oft sind die Exemplare auch nummeriert. Der Verkauf der Kunstdrucke erfolgt über den Künstler selbst, eine Galerie oder einen Verlag.

  1. Wie schlagen sich Digitaldrucke im Vergleich zu traditionellen Drucktechniken?

Digitale Verfahren ermöglichen, die Drucke schnell und kostengünstiger umzusetzen. Außerdem kann ein Motiv, das digital erfasst ist, problemlos weiter bearbeitet, abgeändert und angepasst werden.

Im Unterschied dazu steckt in traditionellen Druckverfahren viel Handarbeit. Sie sind in der Herstellung aufwändiger und deshalb meistens auch wertvoller.

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Peter Siegmund, - Druckermeister, Martin Blechmann, - Medientechnologe Druckverarbeitung, Ella Bitzobski, - Mediengestalterin Digital und Print, Youtuberin Sevilart (Bastel-Dekovideos) sowie Ferya & Christian Gülcan, Künstler (Malerei), Inhaber von Medienagenturen (inkl. Grafikdesign & Print) Redakteur/in und Betreiber/in dieser Webseite schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Ratgeber und Anleitungen zu Drucktechniken, Dekos, Basteln, Kunst, Design, Maltechniken und Druckverfahren.

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