Ein Ausflug in die Welt der Farbpigmente
Hast du dir schon einmal vor Augen geführt, dass du ständig und überall von Farbpigmenten umgeben bist? Denn Pigmente stecken nicht nur in Künstlerfarben. Stattdessen sind sie auch in Lebensmitteln, in Kosmetika, in Kleidung und in vielen anderen alltäglichen Dingen enthalten. Wir machen einen kleinen Ausflug in die Welt der Farbpigmente!

Inhalt
Rote Farbe aus Schildläusen
Schaust du dir die Zutatenliste von dekorativer Kosmetik wie Lippenstiften, Rouges oder auch Lidschatten an, wirst du feststellen, dass die enthaltenen Farbstoffe zum Teil einen natürlichen Ursprung haben.
In Konfitüren, Süßigkeiten und Wurstwaren hingegen kann dir der Farbstoff E 120 begegnen. Dahinter verbirgt sich das Rot der Schildläuse. In der Malerei und beim Färben von Textilien ist der Farbton als (echtes) Karminrot oder Cochenille bekannt.
Lieferanten für den Farbstoff sind Schildläuse, die auf Feigenkakteen leben. Um den Rohstoff zu gewinnen, werden die Läuse auf speziellen Farmen gezüchtet.
Bei der Herstellung des Farbstoffs werden die weiblichen Schildläuse in Essig gewaschen, getrocknet und danach in einem Gemisch aus Wasser und Schwefelsäure ausgekocht.
Anschließend wird die Karminsäure verlackt, erneut ausgewaschen, getrocknet und zum Schluss zu Pigment gemahlen. Weil die Gewinnung des Rohstoffs also ziemlich aufwändig und teuer ist, wird dieses Farbpigment überwiegend in hochpreisigen Produkten verwendet.
Kuhurin für Indisch-Gelb
Karminrot ist ein Beispiel für ein organisches Pigment. Die Lieferanten für organische Pigmente sind Tiere oder Pflanzen. Werden die Farbstoffe hingegen aus dem Erdreich oder aus Mineralien gewonnen, sprechen wir von anorganischen Pigmenten.
Heutzutage werden immer mehr Pigmente durch synthetische Farbstoffe ersetzt. Das liegt daran, dass synthetische Stoffe in den meisten Fällen einfacher, schneller und kostengünstiger hergestellt werden können.
Außerdem ist bei Farbstoffen aus dem Labor sichergestellt, dass der Farbton auch in großen Mengen verfügbar und immer gleich ist. Allerdings können synthetische Stoffe oft nicht mit echten Pigmenten mithalten.
Viele Farben, insbesondere die preiswerten Studienfarben, bleiben deutlich hinter Künstlerfarben mit hochwertigen Rohstoffen zurück, was die Leuchtkraft, die Deckkraft und die Farbbrillanz betrifft.
Allerdings gibt es genauso Farbtöne, bei denen es unbedingt notwendig war, nach alternativen Rohstoffen zu suchen. Ein Beispiel dafür ist Indisch-Gelb. Dieser Rohstoff wurde früher aus dem Urin von Kühen gewonnen.
Damit der warme, fast orangefarbene Gelbton entstand, wurden die Tiere mit Mangoblättern gefüttert. Doch das führte dazu, dass die Tiere oft qualvoll an Nierenversagen verendeten.
Indigo-Blau als Namensgeber
Damit die legendäre Bluejeans entstehen konnte, musste der Farbstoff Indigo-Blau hergestellt werden. Für den organischen Farbstoff wurden Blätter der Waidpflanze zerstampft und in der Sonne getrocknet.
Damit sich der Farbstoff aus den Blättern löste, wurden die getrockneten Blätter in große Gefäße gefüllt und mit dem Urin der Arbeiter bedeckt. Das setzte einen Gärungsprozess in Gang, der durch Alkohol beschleunigt werden konnte.
Allerdings war der Alkohol zu kostbar, um ihn direkt über die Blätter zu schütten. Aus diesem Grund tranken die Arbeiter den Alkohol und fügten ihn später den Blättern über ihren Urin hinzu.
Hier haben Redewendungen wie „blau sein“ für „betrunken“ oder „blau machen“ für „nicht arbeiten“ übrigens ihren Ursprung.
Denn durch den konsumierten Alkohol waren die Arbeiter betrunken und wenn sie die Blätter in den Gefäßen mit ihren Füßen zerstampften, färbten sich auch ihre Beine blau.
Der intensive blaue Farbton entstand aber erst durch das Sonnenlicht. Bei diesem Oxidationsprozess konnten die Arbeiter nicht viel machen. Stattdessen mussten sie nur gelegentlich umrühren und ansonsten zuschauen und abwarten, bis sich die Brühe allmählich verfärbt hatte.
Dabei erledigten sie die eigentliche Arbeit bereits am Wochenende. Montags hingegen konnten sie sich in die Sonne legen und gemütlich auf das Ergebnis warten.

Farbpigmente für verschiedene Farben
Im Handel sind verschiedenste Farbpigmente erhältlich.
Wenn du kreativ werden möchtest, kannst du mit den Farbpulvern deine eigenen Farben herstellen:
Für eine Aquarellfarbe verrührst du das Pigment mit Wasser und Gummi arabicum. Gibst du zusätzlich Glycerin und Honig dazu, erhöhst du die Leuchtkraft der Farbe und verbesserst ihre Fließeigenschaft.
Eine Acrylfarbe entsteht, wenn du das Farbpulver mit Acrylbinder als Bindemittel vermischt.
Pigmente, Leinöl und in Terpentinöl gelöstes Dammarharz ergeben eine Ölfarbe.
Für eine Temperafarbe verrührst du das Farbpulver mit Leinöl und einem rohen Hühnerei.
Im Internet und in Büchern findest du allerlei Rezepte für die verschiedenen Farbsorten. Einige Rezepte basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, andere Rezepte gehen auf die Erfahrungen von Künstlern zurück.
Um Farben haltbar zu machen, werden heute chemische Substanzen genutzt. Die alten Meister hingegen konservierten ihre Farbbreie ganz einfach mit ihrer Spucke.
Möchtest du Textilien färben, kannst du dafür eine Acrylfarbe mit Wasser, Glycerin und Essig vermischen. Aber du kannst auch einfach Blätter, Blüten, Pflanzenschalen oder Baumrinde in Wasser kochen und den Stoff in das Farbbad legen. Farbpigmente brauchst du dann nicht mehr.
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Thema: Ein Ausflug in die Welt der Farbpigmente
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