Indigo und die Jeans

Indigo und die Jeans

Die Jeans ist aus der Mode nicht mehr wegzudenken. Sie ist in nahezu jedem Kleiderschrank vertreten und wird in allen Gesellschaftsschichten vom Kind bis zum Senior getragen. Das bequeme und pflegeleichte Kleidungsstück mit seinen typischen Nieten und charakteristischen Doppelnähten ist heute längst salonfähig. Doch das war nicht immer so. Und am Anfang war die Blue Jeans auch noch gar nicht blau.

Die Jeans erobert die Herzen – und die Kleiderschränke

Die großen Idole der 1950er-Jahre, angefangen bei James Dean über Marlon Brando bis hin zu Elvis Presley, trugen Jeans. Das knackig enge, coole, blaue Beinkleid wurde zum Sinnbild für Abenteuer und Rebellion. Außerdem symbolisierte es Amerika, denn schließlich hatten US-amerikanische Soldaten die Jeanshose im Gepäck, als sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland kamen.

Die jungen Erwachsen nahmen seinerzeit viel in Kauf, um die amerikanische Kulthose tragen zu können. Schulverweise oder Verbote, Cafés und Restaurants zu betreten, konnten sie genauso wenig davon abhalten, dem Modetrend zu folgen, wie die spöttische Bezeichnung “Niete in einer Nietenhose”. Als 1953 die erste Jeans für Frauen auf den Markt kam, war es dann auch um die Damen geschehen. Die Jeanshose hatte es endgültig zum Kultkleidungsstück geschafft. Die Frage nach der Passform stellte sich damals übrigens nicht, denn es war ganz klar, dass eine Jeans möglichst eng sein musste. Die Jeans war ein klares Statement gegen die klassische Mode und den Kleidungsstil der Erwachsenen. Durch die Jeans sollte das Gefühl von unbegrenzter Freiheit zum Ausdruck kommen.

Immerhin waren sich die Jugendlichen damals ganz sicher, dass schon die Cowboys im Wilden Westen Jeans getragen hatten. Die Jeans hatte in der Tat vom Westen der USA aus ihren Siegeszug angetreten. Allerdings waren es nicht die Cowboys, die die unverwüstliche Hose trugen, sondern Goldgräber. Erfunden hatte die Hose ein Mann namens Levi Strauss.

Er hatte bemerkt, dass die Arbeiter in den Goldminen robuste, strapazierfähige Beinkleider brauchten. So kam er auf die Idee, braune Zeltplanen zu nehmen und daraus Arbeitshosen nähen zu lassen. Die Minenarbeiter waren begeistert. Strauss suchte jedoch nach neuen Stoffen. 1873 wurde er schließlich in Frankreich fündig, denn hier entdeckte er den Baumwollstoff Denim.

Da dieser Stoff blau eingefärbt war, wurden auch die Arbeits- oder Jeanshosen bald blau. Im Mai 1873 erhielt Levi Strauss das Patent für sein Hosenmodell und damit war die Blue Jeans offiziell geboren.

Übrigens:

Die Jeans stammt zwar aus den USA, ist strenggenommen aber eine deutsche Erfindung oder, ganz genau, die Erfindung eines Deutschen. Levi Strauss ist nämlich im oberfränkischen Buttenheim geboren und wanderte erst im Alter von 18 Jahren nach Amerika aus.

Indigo und die Jeans

Aus einer Arbeitshose aus brauner Zeltplane ging die Blue Jeans aus Denim hervor. Für die typisch blaue Farbe ist der Farbstoff Indigo verantwortlich. Lieferant von Indigo ist ein unscheinbarer Strauch mit kleinen Blättern und rosafarbenen Blüten. Die Pflanze selbst liefert den Farbstoff aber nur indirekt. Sie enthält nämlich Indican und Indican ist eine Vorstufe von Indigo.

Indican ist auch nicht blau, sondern gelb. Der Name Indigo leitet sich aus dem Spanischen ab und bedeutet übersetzt indisch. Nach Europa gelangte die Pflanze durch Vasco da Gama, der sie im 15. Jahrhundert von seinen Reisen mitbrachte. Vor allem beim französischen Adel stieß der neue Farbstoff auf große Begeisterung.

Es war zwar schon vorher möglich gewesen, Stoffe blau einzufärben. Hierfür wurde Färberwaid verwendet. Die Farbintensität von Färberwaid war aber nicht so intensiv wie die von Indigo.

Das Färben mit Indigo ist ein recht komplizierter Prozess, der mehrere Arbeitsschritte erfordert. Dies liegt daran, dass die natürlichen Farbpigmente von Indigo wasserunlöslich sind. Deshalb muss Indigo durch die Zugabe von einem Reduktionsmittel zuerst in Indigoweiß verwandelt werden. Das reduzierte Indigoweiß ist wasserlöslich und kann so die Textilfaser durchdringen. Nach dem Färben ist der Stoff gelb.

Durch das Trocknen an der Luft oxidiert das Indigoweiß mit Sauerstoff. Diese chemische Reaktion bewirkt, dass sich das Indigoweiß in Indigo verwandelt und der Stoff nun in strahlendem Jeansblau erscheint. Wie zuvor ist die Indigo-Färbung nun auch wieder nicht mehr wasserlöslich.

Die schnelle Verbreitung von Indigo führte dazu, dass der Anbau und die Verwendung von Färberwaid deutlich zurückgingen. Fast völlig von der Bildfläche verschwand Färberwaid, als der blaue Farbstoff synthetisch hergestellt werden konnte und damit keine natürlichen Rohstoffe mehr notwendig waren. 1897 brachte die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) synthetischen Indigo auf den Markt.

Der Preis für diesen künstlichen Farbstoff war deutlich niedriger als für echten, natürlichen Indigo. Die Qualität von echtem Indigoblau konnte der Farbstoff aus dem Chemielabor aber nie erreichen. Deshalb wird auch heute noch bei hochwertigen Markenjeans echter Indigo zum Färben verwendet.

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