Solarfärben von Textilien – so geht’s

Solarfärben von Textilien – so geht’s

Ob T-Shirts, Stoffbeutel, Kissenhüllen oder Tischdecken: Im Laufe der Zeit werden viele Textilien fleckig, bekommen einen Grauschleier, bleichen aus oder sind einfach nicht mehr ansehnlich. Trotzdem müssen sie nicht gleich entsorgt werden. Denn mithilfe der Natur können die Textilien noch einmal in ganz neuen Farben erstrahlen. Die Färbetechnik, die wir in diesem Beitrag vorstellen, nennt sich Solarfärben.

Anzeige

Solarfärben von Textilien - so geht's

Blätter, Blüten oder Schalen von Pflanzen steuern die Farbstoffe bei. Die eigentliche Arbeit übernimmt dann die Sonne, die durch ihr Licht und ihre Wärme dafür sorgt, dass sich das Farbbad entwickelt.

Und weil beim Solarfärben keine bedenklichen Chemikalien im Spiel sind, können auch Kinder mitmachen und so die Kraft der Natur auf eine ganz neue Art kennenlernen:

Das Prinzip beim Solarfärben

Das Solarfärben nutzt zum einen die Farben, die die Natur bereitstellt. Zum anderen greift die Färbetechnik auf die Kraft der Sonne zurück. Es ist nicht notwendig, ein Farbbad anzurühren.

Stattdessen wird der Stoff zusammen mit Pflanzenteilen und Wasser in ein großes Glasgefäß gegeben. Das Gefäß bleibt dann einfach stehen. Die Sonne löst die Farbstoffe aus den Pflanzenteilen und lässt sie in den Stoff übergehen.

Die Materialien fürs Solarfärben

Für das Solarfärben wird natürlich zunächst einmal ein Stoff benötigt. Das kann zum Beispiel ein T-Shirt, ein Stoffbeutel oder eine kleine Tischdecke sein. Textilien aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Seide oder Wolle eignen sich für die Technik am besten.

Mischgewebe, bei denen der Anteil von Naturfasern höher ist als der Anteil an Synthetikfasern, funktionieren ebenfalls. Stoffe aus reinen Kunstfasern hingegen lassen sich mittels Solarfärben nicht einfärben.

Außerdem sollten die Textilien hell sein. Es ist zwar nicht notwendig, dass der Stoff weiß ist. Aber bei sehr dunklen Stoffen ist die Färbung nicht sichtbar. Solche Stoffe müssten, wie übrigens auch bei anderen Färbemethoden, zuerst gebleicht werden.

Als Gefäß ist ein großer Behälter aus transparentem Glas erforderlich, der verschlossen werden kann. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen großes Gurkenglas mit Schraubdeckel oder ein Bügelglas handeln.

Für ein T-Shirt sollte das Glas ein Volumen von mindestens zwei Litern haben. Sind die Textilien größer oder sollen mehrere Stücke auf einmal eingefärbt werden, muss auch das Glas entsprechend mehr Fassungsvermögen haben.

Um den Stoff vorzubereiten, kommt etwas normaler Tafelessig zum Einsatz. Eine andere Möglichkeit wäre essigsaure Tonerde. Es ist aber nicht notwendig, diese extra zu besorgen. Ein einfacher Küchenessig erfüllt den gleichen Zweck.

Was dann noch fehlt, ist das Färbemittel. Geeignete Pflanzenteile finden sich in der Küche, auf dem Balkon, im Garten oder draußen in der freien Natur. Sowohl die Blüten und die Blätter von Pflanzen als auch die Wurzeln, die Früchte, die Rinde und die Schalen enthalten Farbstoffe. Je nachdem, was fürs Färben verwendet wird, entstehen ganz unterschiedliche Farbtöne in allerlei Nuancen.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Gelb: Schalen vom Granatapfel, Kamille, Ringelblume, Rainfarn, Birkenblätter

  • Hellbraun: Zwiebelschalen, schwarzer Tee, Salbei

  • Braun: grüne Walnussschalen, Brombeerblätter

  • Rosa: Schalen und gehackter Kern von Avocado, Hibiskus, Waldmeister

  • Violett bis Blau: Rotkohl, Holunderbeeren, Klatschmohn

Grundsätzlich bleibt das Ergebnis vom Färben immer eine kleine Überraschung. Das liegt daran, dass das Farbspektrum einer Pflanze von verschiedenen Faktoren abhängt. Dazu gehören die Jahreszeit, die Sorte und der Boden, auf dem sie gewachsen ist. Auch der Stoff selbst beeinflusst das Ergebnis.

Anzeige

Wer verschiedene Pflanzenteile miteinander vermischt, erhält zudem noch einmal ganz andere Farben. Doch dieser Überraschungseffekt macht den Reiz des Solarfärbens aus.

Solarfärben von Textilien – so geht’s

Das Solarfärben ist eine Technik, die ohne viel Aufwand auskommt. Allerdings erfordert sie etwas Geduld. Denn es dauert seine Zeit, bis der Färbevorgang abgeschlossen ist. Aber gehen wir die Schritte nacheinander durch!

Schritt 1: den Stoff vorbereiten

Zunächst sollte der Stoff einmal durchgewaschen werden, um Fettrückstände und andere Verschmutzungen zu entfernen.

Anschließend kann der Stoff gebeizt werden. Dazu wird eine Lösung aus einem Teil Essig oder essigsaurer Tonerde und vier Teilen Wasser angesetzt. In dieser Lösung sollte der Stoff mehrere Stunden einweichen.

Die Beize bewirkt, dass der Stoff die Fasern besser aufnimmt. Dadurch wird der Farbton intensiver und die Licht- und Waschechtheit besser. Nach dem Beizen den Stoff gründlich mit klarem Wasser ausspülen.

Schritt 2: das Farbbad ansetzen

Die Menge an Färbematerial sollte ungefähr genauso groß sein wie die Stoffmenge. Wird zum Beispiel ein T-Shirt eingefärbt, das 200 Gramm wiegt, sollten auch 200 Gramm Pflanzenteile ins Glas wandern.

Für eine gleichmäßige Färbung ist wichtig, dass das Glas so groß ist, dass sich der Stoff gut darin bewegen kann. Wer hingegen Muster oder Farbverläufe erzielen will, kann das Glas ganz ausfüllen oder Pflanzenteile direkt den Stoff einrollen.

Möglich ist auch, den Stoff wie beim Batiken mit Knoten oder Schnüren abzubinden.
Sind der Stoff und die Pflanzenteile im Glas, wird das Gefäß bis zum Rand mit Wasser aufgefüllt. Dafür genügt kaltes Wasser. Denn das Solarfärben erstreckt sich ohnehin über mehrere Tage. Deshalb ist nicht notwendig, warmes Wasser zu verwenden.

Wichtig ist nur, das Glas möglichst bis zum Rand aufzufüllen. Je weniger Luft verbleibt, desto geringer ist die Gefahr, dass die Pflanzenteile anfangen, zu schimmeln.

Schritt 3: das Solarfärben starten

Das Glas wird verschlossen und in die Sonne gestellt. Alles andere erledigt jetzt die Natur. Ob das Glas auf der Fensterbank oder draußen steht, spielt keine Rolle. Wenn die Sonne weniger Kraft hat oder sich gar nicht blicken lässt, dauert das Färben eben länger.

Damit sich das Farbbad gut verteilen kann, das Glas zwischendurch immer mal wieder etwas schütteln, hin und her rollen oder auf den Kopf stellen. Nach einiger Zeit setzt eine leichte Gärung ein.

Das ist normal und gehört zum Prozess dazu. Damit das Glas dem Druck standhält, sollte es aber gelegentlich kurz geöffnet werden, damit die Gase entweichen können.
Wann das Färben beendet ist, muss individuell entschieden werden. Je nach verwendeten Pflanzen nimmt das Solarfärben mehrere Tage, mitunter sogar einige Wochen in Anspruch.

Sieht es so aus, als habe der Stoff die richtige Farbe erreicht, ist es im Zweifel besser, das Glas noch ein paar Tage in der Sonne stehen zu lassen.

Schritt 4: den Stoff ausspülen

Um das Solarfärben zu beenden, den Stoff aus dem Glas nehmen und solange ausspülen, bis das Wasser klar bleibt. Ein Fixieren der Farbe ist nicht notwendig. Der Stoff kann ganz normal bei 30 Grad in der Waschmaschine gewaschen werden.

Mehr Ratgeber, Tipps und Anleitungen:

Thema: Solarfärben von Textilien – so geht’s

Anzeige
Redaktion
Twitter

Veröffentlicht von

Redaktion

Peter Siegmund, 52 Jahre, Druckermeister, Martin Blechmann, 39 Jahre, Medientechnologe Druckverarbeitung, Ella Bitzobski, 35 Jahre, Mediengestalterin Digital und Print, sowie Ferya Gülcan, Redakteurin und Betreiberin dieser Webseite schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Ratgeber und Anleitungen zu Drucktechniken und Druckverfahren.

Kommentar verfassen