12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil I

12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil I

Um Kunstdrucke zu erstellen, kann ein Künstler auf verschiedene Drucktechniken zurückgreifen. Während Verfahren wie der Kupferstich oder die Radierung auf eine lange Geschichte zurückblicken, sind andere Methoden wie der C-Typ-Druck vergleichsweise jung. Jede Drucktechnik kennzeichnet sich durch ihren eigenen Stil und ermöglicht dem Künstler dadurch, mit Farben und Texturen zu spielen.

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12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil I

In einer Beitragsreihe stellen wir zwölf druckgrafische Techniken für Kunstdrucke vor. Außerdem beantworten wir einige grundlegende Fragen rund um den Kunstdruck:

Grundlegendes zum Kunstdruck vorab

Bei einem Kunstdruck handelt es sich um ein Bild, das ein Künstler oder ein Drucker auf einer harten Oberfläche erstellt. Die Oberfläche kann zum Beispiel Holz oder Metall sein, die Platte als Bildträger ist die sogenannte Matrize.

In der traditionellen Vorgehensweise graviert oder färbt der Künstler die Matrize ein, um sie anschließend mithilfe einer Druckpresse auf Papier zu pressen.

Um hochwertige Kunstdrucke herzustellen, gibt es eine Vielzahl von Methoden. Das Spektrum reicht von traditionellen, altbewährten Verfahren bis hin zu sehr modernen Techniken.

Dadurch können Kunstdrucke mit ganz unterschiedlichen Stilen und Erscheinungsbildern entstehen. Die große Gemeinsamkeit besteht aber darin, dass ein Künstler immer nur eine begrenzte Anzahl von Drucken anfertigt.

Ist eine bestimmte Auflage erreicht, vernichtet der Künstler die Matrize, wodurch keine weiteren Anzüge mehr möglich sind.

  1. Aquatinta

Die Aquatinta ist eine Tiefdrucktechnik, die der Radierung ähnelt. Der Künstler schneidet das Motiv dabei mit einem Messer oder einer Säure in eine Metallplatte. Anschließend trägt er Farbe auf die Vertiefungen in der Platte auf.

Im Ergebnis entsteht ein Druck, der sich vom Papier abhebt. Wenn mit den Fingern über den Kunstdruck gefahren wird, sind die eingefärbten Oberflächen zu fühlen.

Der Druck besteht aus feinen Partikeln aus einem säurebeständigen Material, in aller Regel handelt es sich um Harz in Pulverform. Der Künstler verwendet das feine Harzpulver, um das Motiv auf der Platte zu gestalten. Anschließend legt er die Platte in ein Säurebad.

Die Säure schneidet zwischen den Harzkörnchen in die Platte ein. Dadurch entsteht ein Bild mit einer einzigartigen Struktur.

Die fertige Platte setzt der Künstler schließlich für seine Kunstdrucke ein. Dabei besteht das Druckbild aber weniger aus klaren, durchgehenden Linien, sondern vielmehr aus einer Ansammlung vieler, winzig kleiner Punkte. Durch diese Punkte wirkt das Motiv leicht verschwommen und erinnert an ein gemaltes Aquarell.

Als Erfinder der Aquatinta gilt der Grafiker Jan Van del Vede. Er soll die Technik um 1650 entwickelt haben.

Allerdings geriet sie dann für lange Zeit in Vergessenheit. Erst als britische Künstler im 18. Jahrhundert nach Möglichkeiten suchten, um Aquarelle nachzubilden, kehrte die Aquatinta in die Kunstwelt zurück.

  1. Collagrafie

Die Collagrafie geht auf den Künstler Glen Alps zurück, der sie 1955 erfand. Bei dem Druckverfahren bringt der Künstler verschiedene Materialien auf eine flache Oberfläche wie einen Karton oder eine dünne Holzplatte auf. Anschließend färbt er das Bild ein und presst es auf ein anderes Material.

Um komplexe Motive mit besonderen Effekten und Texturen zu gestalten, kann der Künstler zum Beispiel Blätter, Schnüre, Sandpapier, Gras, textile Fasern und ähnliche Materialien verarbeiten.

Er erstellt also gewissermaßen eine Collage, die er anschließend druckt. Die Karton- oder Holzplatte als Bildträger ist aber meist sehr empfindlich. Im Unterschied zu anderen Drucktechniken sind mit der Druckplatte oft keine Mehrfachabdrücke möglich. Deshalb bleiben Collagrafien häufig Monodrucke.

Belege für die Collagrafie gab es schon vorher, vergleichbare Techniken finden sich in Werken aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Allerdings war es Glen Alps, der Künstler und Kunstprofessor an der Universität in Washington war, der die Technik populär machte.

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12 druckgrafische Techniken für Kunstdrucke, Teil I (1)

  1. C-Typ

C-Typ-Kunstdrucke werden auch chromogene Kunstdrucke genannt und beziehen sich auf Abzüge von Filmnegativen. Die Drucktechnik geht auf C-Papier zurück.

Ursprünglich stand das Verfahren unter dem Schutz von Kodak, inzwischen wird der Begriff aber als allgemein geläufige Bezeichnung verwendet.

C-Papier setzt sich aus drei Emulsionsschichten zusammen, von denen jede für eine Grundfarbe empfindlich ist. Der Künstler belichtet sein Motiv zunächst auf dem Papier und legt es danach in eine chemische Lösung. Weil jede Emulsionsschicht unterschiedlich auf die Lösung reagiert, entsteht ein vollfarbiger Druck.

In einer Dunkelkammer zu arbeiten, ist heutzutage weitestgehend aus der Mode gekommen. Stattdessen entstehen moderne C-Typ-Drucke in aller Regel auf Basis von digitalen Bilddateien.

Um die Farben auf dem lichtempfindlichen Papier zu belichten, kommen Laser oder LEDs zum Einsatz. Anders als bei einem normalen Tintenstrahldrucker gehen die Farbtöne bei C-Typ-Drucken ineinander über.

Aus diesem Grund wählen Künstler diese Drucktechnik gerne für Kunstdrucke von Fotografien.

  1. Giclée

Wie der C-Typ ist auch Giclée ein modernes und junges Druckverfahren. Es verwendet Großformat-Digitaldrucker, die die Druckfarben mithilfe kleiner Sprühdosen sehr präzise auftragen. Die Basis für die Qualitätsdrucke bilden digitale Bilder in hoher Auflösung.

Der Name Glicée geht auf das französische Wort für „sprühen“ zurück und wurde Anfang der 1990er-Jahre von Jack Duganne geprägt. Sein Unternehmen erstellte Kunstdrucke mit einem Spezialdrucker.

Dieser versprühte die Farbe wie beim Airbrush und erzielte dadurch eine extrem genaue Reproduktion.

Glicée wird oft für limitierte Auflagen von Kunstdrucken eingesetzt. Solange es eine hochauflösende Bilddatei des Kunstwerks gibt, kann der Künstler Glicée-Drucke anfertigen, um seine Arbeit zu verkaufen oder auszustellen.

Sowohl Künstler als auch Verbraucher schätzen diese Art von Kunstdrucken wegen ihrer Langlebigkeit. Bei richtiger Pflege können die Drucke 100 Jahre und mehr überdauern. Gleichzeitig sind sie überaus originalgetreu.

Daher eignen sie sich hervorragend, um Kunstwerke zu reproduzieren und digitale Werke darzustellen.

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Peter Siegmund, - Druckermeister, Martin Blechmann, - Medientechnologe Druckverarbeitung, Ella Bitzobski, - Mediengestalterin Digital und Print, Youtuberin Sevilart (Bastel-Dekovideos) sowie Ferya & Christian Gülcan, Künstler (Malerei), Inhaber von Medienagenturen (inkl. Grafikdesign & Print) Redakteur/in und Betreiber/in dieser Webseite schreiben hier Wissenswertes, Tipps, Ratgeber und Anleitungen zu Drucktechniken, Dekos, Basteln, Kunst, Design, Maltechniken und Druckverfahren.

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