Abkürzungen bei Druckgrafiken

Abkürzungen bei Druckgrafiken

Der Kunsthandel folgt nicht nur seinen eigenen Regeln, sondern verwendet auch eine ihm eigene Sprache. Künstlern, Galeristen und Kunsthändlern erleichtern die Fachausdrücke die Arbeit.

Doch für kunstinteressierte Laien wirken sie mitunter wie verwirrende Codes. Dabei wird vor allem im Bereich der sogenannten Auflagenkunst, zu der Druckgrafiken gehören, bevorzugt mit Abkürzungen gearbeitet.

 

Die Auflage bei Druckgrafiken

Bei Gemälden gestaltet sich die Situation recht einfach. So gibt es zunächst einmal das Original. Das originale Gemälde ist ein Unikat, es gibt es also nur ein einziges Mal.

Von dem Gemälde werden Abzüge angefertigt. Diese Abzüge sind Kunstdrucke oder einfache Drucke. Durch die Kunstdrucke wird ein berühmtes Motiv auch für die Kunstliebhaber zugänglich, die sich ein echtes Gemälde niemals leisten könnten.

Nun gibt es aber noch die sogenannte Auflagenkunst. Die Auflagenkunst bezeichnet Kunstrichtungen, bei denen die Vervielfältigung ein Bestandteil des Kunstwerks ist.

Ein Beispiel für die Auflagenkunst sind Druckgrafiken. Bei einer Druckgrafik bildet jeder einzelne Abzug, der im Verlauf des Fertigungsprozesses entsteht, ein eigenständiges Kunstwerk. Die Gesamtzahl aller Einzeldrucke bildet die sogenannte Auflage. Wie hoch die Auflage bei einem Fertigungsprozess ist, entscheidet der Künstler (oder der Rechteinhaber).

Damit der Überblick gewährleistet bleibt, wird eine Auflage immer nummeriert. Dies erfolgt in aller Regel mithilfe von zwei Zahlen aus arabischen Ziffern, die durch einen Schrägstrich voneinander getrennt sind. Die erste Zahl gibt an, das wievielte Exemplar der Gesamtauflage die jeweilige Druckgrafik ist.

Die zweite Zahl steht für die Gesamtauflage. Ist eine Druckgrafik beispielsweise mit 15/120 gekennzeichnet, so heißt das, dass es sich um den 15. Druck bei einer Gesamtauflage von 120 Abzügen handelt.

Im Zusammenhang mit Druckgrafiken gelten recht strenge Regeln. Sie sollen dazu beitragen, dass der Künstler vor unbefugten Vervielfältigungen seines Kunstwerks geschützt ist. Auch Kunstsammler soll die Reglementierung davor schützen, auf wertlose Kopien hereinzufallen. Deshalb wird beispielsweise die Auflagenhöhe im Vorfeld bestimmt.

Und die Höhe, die festgelegt wurde, ist verbindlich. Es ist nicht erlaubt, sie zu überschreiten. Allerdings kann mit dem Künstler vereinbart werden, dass es einen sogenannten Nachdruck oder Spätdruck geben soll. Auch bei einem Nachdruck wird die Stückzahl verbindlich festgelegt. Ein Nachdruck ist aber eine Reproduktion der ursprünglichen Druckgrafik und hat in Kunst- und Sammlerkreisen deshalb oft einen geringeren Stellenwert.

Die wichtigsten Abkürzungen bei Druckgrafiken

Neben der eigentlichen Gesamtauflage, die für den Kunsthandel vorgesehen ist, werden im Zuge des Fertigungsprozesses noch ein paar weitere Drucke aufgelegt. Diese zusätzlichen Drucke ergeben zusammen mit der Auflage die sogenannte Edition eines Kunstwerks.

Dabei machen die zusätzlichen Drucke üblicherweise zwischen zehn und 15 Prozent einer Edition aus. Von allen Drucken, die im Laufe eines Produktionsprozesses gefertigt werden, sind somit 80 bis 85 Prozent für den Kunsthandel bestimmt.

Der Rest kommt nicht auf den Markt, sondern verbleibt beim Künstler oder beim Verleger. Um die zusätzlichen Drucke von der Auflage abzugrenzen, werden sie mit unterschiedlichen Abkürzungen gekennzeichnet. Diese Kürzel wiederum geben Auskunft darüber, wofür die Abzüge bestimmt sind.

Die wichtigsten Abkürzungen in diesem Zusammenhang sind folgende:

 

  1. A. steht für Epreuve d‘Artiste, was soviel bedeutet wie Probe(n) für den Künstler. Diese Abzüge sind für den Künstler bestimmt. Meist handelt es sich bei den Drucken um die ersten Abzüge in der geplanten Bild- und Farbqualität. Durch die Vorab-Drucke bekommt der Künstler deshalb einen Eindruck davon, wie die Druckgrafiken der Auflage aussehen werden.

Viele Künstler nummerieren auch die E.A. -Drucke. Um sie eindeutig von der Auflage abzugrenzen und Verwechslungen auszuschließen, erfolgt die Nummerierung aber mit römischen Zahlen. Steht auf einem Abzug beispielsweise das Kürzel E.A. IV/XX, so handelt es sich bei dem Exemplar um den vierten von insgesamt 20 Drucken, die neben der Auflage als Probedrucke für den Künstler aufgelegt wurden.

Je nach Landessprache werden anstelle von E.A. auch die Abkürzungen a.p. für artist proof und p.a. für prova d‘artista verwendet.

 

H.C. steht für Hors de Commerce, was übersetzt soviel bedeutet wie außerhalb des Handels. Das Kürzel wird oft als Synonym für die Abkürzung E.A. verwendet und bezeichnet grundsätzlich alle Vorab-Drucke, die zusätzlich zur Auflage aufgelegt werden.

Während die Probedrucke, die für den Künstler gedacht sind, häufig mit E.A. gekennzeichnet sind, werden die Vorab-Exemplare, die dem Drucker und dem Verleger zur Verfügung gestellt werden, meist mit H.C. beschriftet. Welches Kürzel verwendet wird, hängt aber letztlich von den Gepflogenheiten des jeweiligen Verlags ab. Wie die E.A. -Drucke werden auch die H.C. -Abzüge mit römischen Zahlen nummeriert.

Künstler übergeben ihre E.A. -Drucke häufig Museen oder organisieren damit Ausstellungen. Drucker und Verleger verwenden die H.C. -Abzüge in erster Linie als Archivexemplare und zu Werbezwecken.

Da die Abzüge vor der eigentlichen Auflage entstehen und deshalb eine frühe Version sind, die das Werk des Künstlers unmittelbarer wiedergibt, sind diese Druckgrafiken aber auch unter Sammlern begehrt.

 

p.p. steht für printer‘s proof. Bei Druckgrafiken wird dieses Kürzel für die Abzüge verwendet, die der Drucker oder Verleger als Referenz für seine Arbeit bekommt. Die Drucke werden im Normalfall nicht nummeriert. Stattdessen verbleiben sie als Archivexemplare im Verlag oder kommen als Referenzobjekte im Rahmen von Marketing und Vertrieb zum Einsatz.

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